Gedanken zur therapeutischen Arbeit

 

Veränderungsprozesse sind ständig aktuell, denn Leben findet nicht ohne stetigen Wandel statt. Doch der Start in das neue Jahrzehnt, der hat es in sich!

 

Die momentane Zeitqualität erhöht den Druck auf Strukturen, die nicht mehr ihren eigentlichen Sinn erfüllen: eine schützende und haltgebende Form zu bieten, in der etwas wachsen und sich entwickeln kann. Und zusätzlich wird „unter-den-Teppich-gekehrtes“ sich jetzt Raum greifen und in die Sichtbarkeit drängen!

 

Diese Druckerhöhung und das Drängen findet auf allen Ebenen statt. Und so kannst du sicher auch bei deinen Patienten wahrnehmen, dass der innere Druck, die psychische Belastung, der erlebte Stress, immer weiter zunimmt.

 

Durch unsere Art der feinen Berührung kommen wir sehr leicht mit dem Geschehen, das hinter den verspannten Strukturen liegt, in Kontakt. Der innere Unfriede, ganz egal wovon er gespeist wird, zeigt sich auf der körperlichen Ebene. Und das ist auch die Ebene, die für die meisten Menschen noch immer die einzige legitime Erlaubnis darstellt, sich Hilfe zu suchen und sich unterstützen zu lassen.

 

Wenn wir (Cranio-)Körpertherapeuten dann die Ganzheitlichkeit im Blick halten können und entsprechende Angebote an unsere Patienten formulieren können, dann gibt es tatsächlich Möglichkeiten für den drängenden Veränderungsprozess, der sich über Körpersymptome darstellt.

 

Und wo stehst du selbst da?

Und wo stehst du selbst da, in diesem umfassenden Geschehen? Bemerkst auch du, dass etwas eng geworden ist und nach einem Wandel verlangt?

 

Und wie steht es in diesem Zusammenhang mit deinen inneren, widerstrebenden Kräften; mit dem Widerstand, den du aufbaust, um Veränderung eben nicht stattfinden zu lassen?

 

So wie wir zu diesem Thema stehen, ob bewusst oder unbewusst, spiegelt sich in unserer therapeutischen Arbeit wider und begrenzt oder erweitert den Raum der Möglichkeiten.

 

Also: Welche Gedanken und Gefühle tauchen in dir auf, wenn du an einen Widerstand denkst?

 

Hast du auch, so wie viele andere Cranio-Therapeuten Hemmungen, dich einem Widerstand zu nähern? Deinem eigenen, wie dem deiner Patienten?

 

In vielen Köpfen gibt es die Vorstellung, es sollte alles sanft und fließend laufen im Heilungsprozess!

 

Aber nein, es gibt sie einfach, die Widerstände. Und du tust gut daran, einen entspannten Umgang mit ihnen zu finden. Nicht nur mit den Widerständen, die deine Patienten mitbringen, sondern insbesondere auch, mit den Widerständen (oder Barrieren, wie ich sie lieber nenne), die in dir zu verschiedensten Gelegenheiten auftauchen und deiner ganz persönlichen Entwicklung entgegenstehen.

 

Wenn ich hier von Widerständen spreche, dann sind es die intrapsychischen, die in meinem Fokus liegen. Der Mechanismus in jedem von uns, der die Kraft hat, etwas aus unserer Wahrnehmung zu verbannen. Ein Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass bestimmte Gefühle, Empfindungen, Erinnerungen nicht bewusst werden. Auf eine Art könnten wir auch sagen, es ist ein Wächter an der Tür zum Unbewussten.

 

Widerstände erkennen

 

In der Praxis haben wir nicht so viele Probleme einen Widerstand zu erkennen. Auf der Ebene des Gewebes spüren wir Festigkeit, oft ein auftauchendes sich Verfestigen. Auf der Ebene des Dialogs springt der Patient möglicherweise hin und her oder redet ausgiebig über Nebensächlichkeiten. Manche schlafen einfach ein als Ausdruck des auftauchenden Widerstands. Und bei andere tauchen plötzlich ganz viele verschiedene Bilder auf, oder auch Körperempfindungen zeigen sich, mit schnell wechselnden Orten und Sinneseindrücken. Im Gespräch kann sich der Widerstand auch mit „ja, aber…“ zeigen, hier bringt der Betreffende ein für sich schlüssiges Argument, damit alles so bleiben kann, wie es ist…

 

Und so ein Widerstand, eine Abwehr, eine Barriere kann sich natürlich noch auf ganz andere Weise zeigen.

 

Bevor wir uns vollends auf die Erkundung des Widerstands ausrichten können, sind zwei Dinge von absoluter Wichtigkeit. Zum einen ist es das grundlege Vertrauen, das dein Patient zu dir gefasst haben muss. Und zum anderen ist es die Sicherheit, die dein Patient in deiner Gegenwart spürt und erlebt.

 

Ohne Vertrauen kannst du deinen Patienten nicht in den „Paradiesgarten“ mitnehmen, ohne Sicherheit, wird dein Angebot nicht angenommen. Ohne diese beiden Faktoren, wird alles was du anbietest um den Widerstand zu erkunden, nicht die Resultate bringen, die du dir erhoffst und deinem Patienten wünschst.

 

Ohne Wahrnehmung keine Veränderung!

 

Du weißt, es gibt keine Lösung ohne das Wahrnehmen und das sich bewusstmachen des Widerstands für deinen Patienten. Der Kontakt zum Hindernis, zur Barriere ist der Schlüssel zur umfassenden Entspannung!

 

Und dennoch merkst du, wie du zögerst, diese Verbindung, diesen Kontakt herzustellen. Denn du weißt, dass du in eine Gefahrenzone kommst, wenn du dich – so sanft, wie auch immer du das tust – dem Widerstand, der Grenze der Barriere näherst, oder besser gesagt, dem Patienten Angebote machst eben mit dieser eigenen Grenze in Kontakt zu kommen.

 

Denn die Gefahr steigt, dass du die volle Kraft der Abwehr zu spüren bekommst. Und das wollen die meisten unter uns sanften Therapeuten vermeiden. So sind wir lieber „nett“ und ignorieren was wir wahrnehmen. Lassen den Patienten schlafen, oder in seinen Tagträumen, sprechen dem Patienten/Klienten gut zu und hoffen im Besten Fall, dass wir irgendwann den Mut haben, eben doch diese Stelle, die sich für den anderen so unangenehm anfühlt, zu berühren. Denn wir wissen ja, dass nur durch das Berühren, Kennenlernen und Bejahen des Widerstands überhaupt erst Veränderung möglich wird. Im Heilungsprozess gibt es immer einen Widerstand! Es gibt blinde Flecken. Es gibt Vermeidungsstrategien. Und ohne diese zu berühren, gibt es keine Heilung.

 

Wenn es doch nur eine elegante Lösung gäbe mit Widerstanden umzugehen!

 

Wenn es doch ein paar einfache Tricks gebe Barrieren weniger groß erscheinen zu lassen!

 

Wenn es doch nur leichter wäre, den Patienten in den „Paradiesgarten“ zu führen, den Ort, der hinter dem Widerstand liegt und der soviel mehr Möglichkeiten bietet, mehr Freiheit und Fülle, Gesundheit!

 

Und um dir über diese schwierige Klippe zu helfen, gibt es den Wochenkurs auf Amrum.

 

In dieser Woche wird es darum gehen, elegante und spielerische Möglichkeiten zu entdecken, die auch für dich stimmig sind, um deinen Patienten die Möglichkeit des Wachstums nicht länger vorzuenthalten. Denn genau das tun wir, wenn wir nicht den Mut haben, denjenigen an seine Grenzen zuführen. Ohne die Berührung der Barriere kann sie nicht erkundet und kennengelernt werden. Und ohne Kennenlernen und erkunden, auch kein loslassen, kein Lösen, keine Befreiung!