Im letzten Jahr hatten wir in Staufenberg einen Cranio-Workshop zum Thema „Begegnung“, den ich mit der Frage begonnen habe: „Was ist die wichtigste Begegnung, die ein Mensch (oder in unserem Fall: ein Cranio-Sacral Therapeut) haben kann?“

Wenn du dir einen Moment Zeit nimmst und über diese Frage nachsinnst, dann fällt dir sicher ganz spontan einiges dazu ein. Bevor du gleich weiterließt, nimm dir doch die Zeit innezuhalten und deine eigenen Gedanken und Ideen dazu aufzuspüren…

Und dann kommst du vielleicht auf Antworten wie: „Eine Begegnung kann heilend sein.“ – also könnte die wichtigste Begegnung die zwischen Therapeut und Patient sein.

Oder du denkst an eine Begegnung, die dich etwas gelehrt hat – das kann die Begegnung mit einer Situation sein, die dich herausgefordert hat, die du bewältigt und aus der du gereift hervorgegangen bist. Oder auch eine Begegnung mit einem „Lehrer“, einer Person, die nicht immer in der Lehrerrolle, dennoch wegweisend für deine Entwicklung war oder noch immer ist.

Und es kann auch ganz schlicht die Begegnung mit der Liebe deines Lebens sein, die eine starke Kraft und Dynamik entfaltet und sich auf dein ganzes Leben auswirkt. Ich kenne einige, die durch diese Begegnung ihr Leben komplett umgeworfen haben – mich selbst eingeschlossen!

Nicht zuletzt kommst du vielleicht auf die Begegnung mit dem „Inneren Arzt“ – deiner Inneren Weisheit – dem Aspekt von dir, der aus einer „höheren“ Warte heraus Antworten gibt und dir Wegweiser in vielerlei Hinsicht sein kann. Diese Begegnung nutzen wir ganz aktiv in unseren Behandlungen, wenn für den Patienten scheinbar unüberwindliche Grenzen auftauchen. Die so erhaltene Antwort entfaltet eine viel stärkere Wirkung, als wenn Lösungsvorschläge von außen (von uns als Therapeuten) angeboten werden.

Die ganz besondere Art der Begegnung in der Cranio-Sacral-Therapie ist dir möglicherweise auch in den Sinn gekommen. Durch die Art der achtsamen, wahrnehmenden und respektvollen Berührung entsteht ein Raum, in dem der Patient sich selbst begegnen kann und der sich oft (aber nicht immer) so erstaunlich entspannend anfühlt.

Und hier möchte ich anknüpfen und auf die wohl wichtigste Begegnung kommen, die wir haben können und die es sich lohnt zu pflegen – und um die es sich im eingangs erwähnten Workshop zum Thema Begegnung drehte. Es ist die Begegnung mit dem Teil unseres Selbst, den wir gerne ignorieren und der sich zu unserem Leidwesen häufig auf unliebsame Weise in unser Leben einmischt. C.G. Jung hat dafür den Begriff des Unbewussten geprägt und Dr. Upledger spricht vom „Nicht-Bewusstsein“. In den meisten Fällen, liegen wir im Clinch mit diesem Anteil, zu dem wir – wie die Bezeichnung schon verdeutlicht – keinen (leichten) Zugang haben. Die Begegnung kann aber sehr heilsam sein, eben dann, wenn sie mit dem nötigen Respekt und der Achtsamkeit und Wertschätzung diesem Anteil gegenüber stattfindet.

Ganz grundsätzlich drückt sich in der Art der Berührung unserer Arbeit als Cranio-Sacral Therapeuten schon die Wertschätzung diesem Bereich gegenüber aus und ganz allmählich, auch ohne direkte Ansprache, verbessert sich dadurch die Verbindung des Behandelten zu seinem Unbewussten. Signale aus diesem Bereich unseres Selbst werden stärker wahrgenommen und das ein oder andere Mal entsteht daraus eine veränderte Sicht- oder Handlungsweise.

Wie kann ich jetzt selbst (ohne therapeutische Unterstützung) diese Verbindung zum Unbewussten aufnehmen und pflegen?

Eine Betrachtungsweise aus dem hawaiianischen Schamanismus kann da hilfreich sein. Stell dir das „Unbewusste“ oder Nicht-Bewusstsein vor, wie ein (kleines) Kind. Setze quasi die Begriffe analog. Dabei steht das Kind hier für alle Zurückweisungen, Schmerzen, alles Leid, welches wir (und zugleich die ganze Menschheit) je erfahren haben.

Durch diese analoge Betrachtungsweise fällt es uns leichter, ein Verständnis für diesen abgelehnten Teil unseres Selbst zu entwickeln und eine behutsame Kontaktaufnahme zu gestalten.

Diese Kontaktaufnahme erfolgt durch uns – unserem bewussten Anteil – der hier analog durch die Mutter erfolgt. Die Mutter, die als Erwachsene Überblick und Verständnis und eine unerschöpfliche Liebe zum Kind hat.

So nehmen wir jetzt als „Mutter“ Kontakt zu diesem „Kind“ auf, wenden uns ihm zu mit aller Liebe, Wohlwollen und Verständnis.

Mit dieser veränderten Begrifflichkeit geht es bei der wichtigsten Begegnung dann um die Begegnung der Mutter mit ihrem Kind.

Wendet sich die Mutter jetzt (vielleicht zum erstem Mal mit Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung) dem Kind zu, dann hört sie, was das Kind zu sagen hat, erfährt von seinen Nöten und seinen Wünschen. Hier kann uns alles begegnen! Ein Kind, dass nur darauf wartet in die Arme geschlossen zu werden, oder auch eins, was misstrauisch schaut und erstmal abwartet, bevor es bereit ist zu sprechen oder irgendeine Art von Kontakt zuzulassen.

Nach der Zeit des Nichtbeachtens können diese ersten Begegnungen frustrierend auch für die Mutter sein. Doch Kraft ihres Bewusstseins kann sie die Entscheidung treffen, sich immer wieder zuzuwenden aus dem Wissen heraus, dass es nur in der Verbindung möglich ist, freier, gelöster und inspirierter und vor allem, gemeinsam den Lebensweg zu gehen.

Viele unserer Patienten (und oft auch wir selbst) kämpfen gegen diesen Teil – gegen das Unbewusste. Wir kämpfen gegen die Schmerzen, wollen bestimmte Situationen im Leben nicht wieder erleben (und erleben sie dennoch) oder verweigern uns den Herausforderungen, anstatt sie als willkommene Veränderungsmöglichkeiten zu sehen.

Im therapeutischen Prozess ist es hilfreich, wenn wir den Überblick behalten und erkennen, wo jemand gegen sein „Nicht-Bewusstsein“ arbeitet. Dann können wir eine andere Betrachtungsweise anbieten.

Für uns Therapeuten bringt diese Begegnung mit dem Kind ein umfassendes Verständnis für den Vorgang in unserem Gegenüber – dem Patienten. Gelingt es dir einen liebevollen, unterstützenden Umgang mit deinem Nicht-Bewusstsein – deinem Kind – zu pflegen, so verstehst du besser, worum es im therapeutischen Prozess geht und an welcher Stelle es für den Patienten „hakt“. Du erhältst Überblick und das ist hilfreich für dein weiteres Vorgehen im therapeutischen Begleiten.

Wenn du dich von meiner Stimme zur „Begegnung“ führen lassen möchtest, dann schick mir eine Mail an info@susanne-engemann.de mit dem Betreff „Begegnung“, dann bekommst du die mp3, die ich im Kurs aufgenommen habe in dein Postfach.